Was tot ist, kann niemals sterben – Taufe in Game of Thrones

Seit einer guten Woche ist die siebte Staffel der Kultserie Game of Thrones nun vorbei. In etwa einem Jahr soll die achte und damit letzte Staffel an den Start gehen. Game of Thrones ist ein Epos, das überwiegend im fiktivem Land Westeros spielt. Verschiedene Häuser (Familien) kämpfen um den Eisernen Thron. Die Darstellung der Geschichte erinnert in Vielem an mittelalterliche Szenarien. Aber nicht nur in der Mediävistik haben sich die Macher der Serie und der Schöpfer der Romanvorlage „Das Lied von Eis und Feuer“ George R.R. Martin bedient. Auch das religiöse Leben in der Serie zeigt deutliche Parallelen zu den Religionen unserer Zeit.

Die älteste Religion ist eine Art Naturreligion, der Glaube an die alten Götter des Waldes. Ihr Kult findet in einem Götterhain statt, ein so genannter Wehrholzbaum ist das Medium um Kontakt mit den alten Göttern aufzunehmen.

Der Glaube an die Sieben erinnert in seiner Ausformung stark an die Struktur der Katholischen Kirche. Auch wenn hier Sieben Götter (der Vater, die Mutter, der Krieger, die Jungfrau, der Schmied, die alte Frau und der Fremden) verehrt werden finden sich viele Parallelen zur hierarchischen Struktur der Amtskirche und die klerikalen Würdenträger (Septen) zeigen deutliche Parallelen zum christlichen Ordensstand.

Neben diesen wohl wichtigsten Religionen werden noch viele weitere Götter verehrt, beispielsweise der Herr des Lichts, der vielgesichtige Gott oder der Ertunkene Gott.

Letzterer Glaube ist die Religion der Seefahrer, die auf den so genannten Eiseninseln angesiedelt ist. Ein besonderes Kennzeichen dieser Religion ist die Verbundenheit zum Wasser. So verwundert es nicht, dass das Initiationsritual dieser Religion eine Art Taufe darstellt. Der Teilnehmer wird ertränkt und danach wieder belebt. Wer dieses Ritual überlebt kehrt angeblich stärker zurück, als er vorher gewesen ist (so Euron Graufreund in einer Zeremonie in der secheten Staffel, die ihn zum König der Eiseninseln macht). Ebenso kennen die Eisenmänner die Initiation durch Übergießen mit Wasser  Dieses Ritual ist in der Serie zu sehen, als sich Theon Graufreund, Sohn des Herrschers der Eiseninseln, nach seiner Rückkehr zu seinem Vater zu dessen Religion bekennt. „Was tot ist kann niemals sterben“ – so lautet das Deutewort dieser rituellen Handlung.

Auch die christliche Taufe wurde über viele Jahrhunderte hinweg als so genannet „Immersionstaufe“ durch Untertauchen gespendet. Dadurch soll deutlich werden: in der Taufe sind wir mit Christus gestorben und mit ihm auferstanden zu Neuem Leben (vgl. Röm 6, 3-11). Diese Neugeburt kommt durch das Untertauchen stark zum Ausdruck. Es geht jedoch keinesfalls um ein Abtöten des Körpers, wie es in der Serie Game of Thrones intendiert ist. Wenn wir als Christen sagen, dass wir mit Christus gestorben sind, dann meint der Tod hier den Ort der größtmöglichen Ferne von Gott. Durch die Taufe bekommen wir als Christen die Möglichkeit, unser Leben nicht mehr aus der Perspektive des Todes anzusehen, sondern aus der Perspektive des Neuen Lebens – eines Lebens in der Liebe Gottes. Dieses Geheimnis erschliesst sich nicht von alleine. Deswegen gehört zur Taufe auch immer das Hineinwachsen in die Gemeinschaft der Kirche. Durch die Begegnung mit Christus in der Worten des Evangeliums und in der Kirche verstehen wir, was das Neue Leben meint.

Dieses Neue Leben ist den Herren der Eiseninsel nicht vergönnt. So sehr ihr Ritual der christlichen Taufe ähnelt, so wenig hat ihr Verständnis mit unserem gemein. Während wir schon das neue Leben feiern, kämpfen sie weiter gegen den Tod.

Ich bin gespannt, wie dieser Kampf der Lebenden gegen die Toten in der letzten Staffel entschieden wird. Wenn am Ende die Liebe siegt, wäre das zumindest keine unchristliche Deutung.

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