Der Name ist Programm – im Namen Jesu versammelt sein

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ So hören und vollziehen wir es zu Beginn eines jeden Gottesdienstes. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Dieser Satz aus dem heutigen Evangelium löst sicherlich nicht nur bei mir einen Ohrwurm aus Kindertagen aus. Zu oft schon haben wir ihn gehört. Zu oft schon hat uns dieser Satz getröstet, wenn die Kirche mal wieder leer geblieben ist, wenn nur wenige Menschen zu unseren Angeboten gekommen sind. „Nicht so schlimm, wo zwei oder drei…“

Kann das der Sinn dieses Satzes sein? Reicht es wirklich aus, sich in einem Gotteshaus zu versammeln, zu zweit und zu beten „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Ich glaube ja – Gott ist mitten unter uns, auch wenn wir wenige sind. Gott ist mitten unter uns, wenn wir gemeinsam beten – das ist die tröstliche Botschaft des heutigen Evangeliums. Aber da gibt es auch die andere Seite, die aufrüttelnde Seite. Es reicht am Ende eben doch nicht aus, nur Gemeinde zu sein. Jesus bespricht mit seinen Jüngern, wie er sich Gemeinde vorstellt. Heute haben wir gehört, wie die Gemeinde mit Menschen umgehen soll, die sich nicht an die Gebote halten. Es reicht nicht aus, Gemeinde zu sein. Gemeinde im Namen Jesu sollen wir sein.

Der Name Jesus – hebräisch Jeschua – bedeutet: Gott ist Heil, Gott ist Rettung. Das ist sozusagen die Grundaussage einer jeden Gemeinde. Wir machen unser Heil nicht selber, wir sind nicht die Retter der Welt. Wir sind bezogen auf Gott. Er schafft unser Heil, unsere Rettung.

Der Name Jesu beinhaltet aber noch viel mehr. „Der Name ist Programm“ sagen wir oft. Namen sind immer mit ihren Trägern verknüpft. Anders als bei Objekten hängen die Namen eines Menschen eng mit seinem Wesen zusammen. Wir merken das immer dann, wenn Kinder, die getauft werden, die Namen von berühmten Vorbildern bekommen. Bei uns Katholiken sind das die Namen der Heiligen. Umgekehrt gibt es auch Namen, die nicht mehr tragbar sind. So ist es in Deutschland beispielsweise schwierig, sein Kind Adolf zu nennen.

Wir kennen das aus unserem Alltag. Wenn ich meine Kinder beobachte, dann kann ich in bestimmten Situationen sagen: das ist so typisch für meinen Sohn, das ist typisch für meine Tochter. Wenn wir den Namen eines uns vertrauten Menschen hören, dann öffnet sich in unserem Kopf ein Programm. Dann nehmen wir sein Wesen war.

Das gilt natürlich auch für den Namen Jesus Christus. Als Getaufte sind wir Christen, tragen wir seinen Namen. Somit ist sein „Programm“ auch unser „Programm“, das ist der Auftrag, den wir in der Taufe übernommen haben.

Das Wesen Jesu, das mit seinem Namen verbunden ist, hat der holländische Theologe und Dichter Huub Oosterhuis in einem wunderbaren Lied verdichtet:

Der nach menschlicher Gewohnheit
wurd benannt mit eigenem Namen,
als er vor lang vergangner Zeit
geboren wurde, fern von hier:

der genannt wird: Jeschu Jesus,
Sohn des Josef, Sohn des David,
Sohn des Jesse, Sohn des Juda,
Sohn des Jakob, Sohn des Abram,
Sohn des Adam, Sohn des Menschen,
der auch Gottes Sohn genannt wird,
Heiden Heiland.
Traum vom Frieden,
Licht der Welt
und Weg zum Leben.

Brot des Lebens, wahrer Weinstock,
der geliebt und unverstanden
aufbewahrt in Wort und Zeichen,
als ein uraltes Geheimnis.

Losungswort – uns durchgegeben
eine fremd vertraute Geschichte,
der zum Namen im Gedächtnis,
der die Stimme des Gewissens,

der mir Wahrheit ist geworden,
sein gedenk ich hier, ihn nenn ich,
einen Toten, der nicht tot ist,
ein lebendiger Geliebter,
der zu leben sich entschieden
für die Ärmsten aller Armen,
Helfer, Bruder und Gefährte
unter den geringsten Menschen,

der zur Zeit, als er umherging
durch die Dörfer seines Landes,
Menschen anzog und beseelte,
sie versöhnte miteinander,
der nicht schroff und unerreichbar,
nicht erhaben, wie ein Herrscher,

doch in Knechtsgestalt gelebt hat,
der sein Leben
für die Freunde preisgab
von einem Freund verraten,
der gequält bis an das Kreuz,
betete für seine Feinde,
der von Gott und Mensch verlassen
gestorben ist wie ein Sklave.

der verstreut ist in den Acker,
wie das kleinste aller Körner,
der den langen Winter wartet
in der Stille seines Todes,

der, wie Ähren abgeerntet,
der wie Brot ist zu verteilen,
um in Menschen Mensch zu werden,
der in seinem Gott verborgen

unser Friede ist geworden,
unser Herz zur Ruhe gekommen,
der uns grüßt aus seiner Ferne,
der uns ansieht aus der Nähe,
als ein Kind, ein Freund, ein and’rer,
sein gedenk ich hier,
ihn nenn ich
und empfehl ihn deiner Obhut
als lebendigen Geliebten,
als den Menschen, der dir nah ist.

Wenn wir uns versammeln als Gemeinde, wenn wir wirklich in Seinem Namen versammelt sein wollen, dann sind wir Helfer, Geschwister und Gefährten unter den geringsten Menschen, dann sind wir Kinder, Freunde aber auch Fremde, lebendige Geliebte. Und dann dürfen wir sicher sein:

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind – da bin ich mitten unter Ihnen.“


Diese Predigt wurde gehalten am 23. Sonntag im Jahreskreis, 10.09.2017 in Köln – Bickendorf

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